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Online-Riese Alibaba plant Aufspaltung in sechs Bereiche

Frauen mit Mund-Nasen-Schutz gehen an den Büros des chinesischen E-Commerce-Unternehmens Alibaba vorbei. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andy Wong/AP/dpa)
Der chinesische Online-Konzern Alibaba ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen - doch dann geriet er ins Visier chinesischer Behörden. Nun teilt sich der Gigant in sechs «Baby-Babas» auf.

Der chinesische Onlinehandels-Riese Alibaba will sich in sechs kleinere Unternehmen aufspalten. Eigenständig werden Geschäftsbereiche wie Online-Handel, Medien und Cloud-Dienste. Damit würde das 220-Milliarden-Dollar-Imperium zu einer Tech-Holding, was selten ist in China. Jeder Bereich soll die Möglichkeit haben, Fremdkapital aufzunehmen und einen Börsengang anzustreben, wie Alibaba am Dienstag mitteilte.

Der Schritt kommt gut zwei Jahre, nachdem die chinesische Regierung hart bei dem Tech-Giganten durchgegriffen hatte. Unter anderem war Firmengründer Jack Ma laut Medienberichten in Ungnade gefallen. Der damals geplante Börsengang der zur Firmengruppe gehörenden Fintech-Firma Ant Group wurde abgesagt und ein Kartellverfahren gegen Alibaba eröffnet. Zuletzt mehrten sich aber die Zeichen, dass die harte Gangart Pekings gegenüber Technologiefirmen gelockert wird. Unter anderem war auch Jack Ma diese Woche erstmals seit mehr als einem Jahr wieder in China aufgetaucht.

Wachstum von Regierung ausgebremst

Trotz der nun verkündeten Aufspaltung sollen die bereits geplanten Kostensenkungen nicht zu kurz kommen, betonte Alibaba. Sie waren nötig geworden, da das harte Vorgehen der Regierung das Wachstum bei Alibaba bremste und an der Börse für einen Wertverlust von rund einer halben Billion Dollar sorgte. Zuvor war Alibaba zwei Jahrzehnte lang auch dank massiver Investitionen stark gewachsen.

Das lokale Einzelhandelsgeschäft in China soll eine hundertprozentige Unternehmenstochter bleiben. Die in den USA gelisteten Aktien legten im frühen Handel um rund neun Prozent zu.

Der Markt sei der beste Lackmustest, schrieb Unternehmenschef Daniel Zhang in einer Email an die Belegschaft. Die Umstrukturierung werde alle Geschäftsbereiche in die Lage versetzen, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Zhang soll auch zukünftig an der Spitze der Gruppe stehen. Marktbeobachter werteten die geplante Aufspaltung als Signal, dass Alibaba bereit ist, sich perspektivisch Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen.

Die einzelnen Geschäftsbereiche sollen eigene Vorsitzende und Vorstände bekommen. Zhang soll zudem die Cloud-Sparte leiten. Beobachter sehen dies Zeichen dafür, dass Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) eine größere Rolle spielen sollen.