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Deutscher Online-Handel sieht sich weiter auf Wachstumskurs

Der deutsche Onlinehandel rechnet trotz der jüngsten Warnsignale vom US-Internetgiganten Amazon vorläufig nicht mit einem Ende des kräftigen Wachstums im E-Commerce. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Michel Spingler/AP/dpa)
Amazon schockt mit seiner Warnung vor einem Abflauen des Online-Shoppingbooms die Börse. Doch hierzulande rechnen Branchenkenner mit einer Fortsetzung des überdurchschnittlichen E-Commerce-Wachstums.

Der deutsche Onlinehandel rechnet trotz der jüngsten Warnsignale vom US-Internetgiganten Amazon vorläufig nicht mit einem Ende des kräftigen Wachstums im E-Commerce.

Der Onlinehandel werde wahrscheinlich auch im 3. Quartal wieder um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wachsen, sagte der Sprecher des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), Frank Düssler, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Für 2021 rechnet der Verband in Deutschland mit E-Commerce-Umsätzen von mehr als 100 Milliarden Euro.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hatte die Börse mit der Ankündigung geschockt, dass er nach Rekorderlösen in der Corona-Krise mit einem Abflauen des Shopping-Booms im Internet rechne – allerdings auf hohem Niveau. Wuchsen die Erlöse im abgelaufenen zweiten Quartal noch um 27 Prozent auf 113 Milliarden Dollar, so erwartet Amazon für das laufende Quartal «nur» noch ein Plus von maximal 16 Prozent.

Der Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln, Kai Hudetz, sagte: «Es wär völlig verfrüht, von einem Ende des Online-Booms zu sprechen. Das Wachstum des E-Commerce wird in diesem und wohl auch in den nächsten ein, zwei Jahren deutlich über dem liegen, was wir vor der Corona-Krise gewohnt waren.»

Zwei Entwicklungen sicherten dem Onlinehandel Wachstumspotenzial. Zum Einen hätten sich die Menschen an den E-Commerce gewöhnt und nutzen ihn auch nach der Krise. Zum Anderen hätten sich die meisten Geschäfte mittlerweile auf den neuen Vertriebskanal eingestellt. «Es gibt kaum einen stationären Händler, der nicht versucht, im Internet deutlich präsenter zu sein», sagte Hudetz.

Er verwies auf eine Umfrage des IFH, bei der 33 Prozent der Befragten und sogar fast die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen angaben, in Zukunft nicht mehr so oft stationär einkaufen zu wollen wie vor Corona, weil sie sich an das Onlineshopping gewöhnt hätten. Nach wie vor profitieren der Umfrage zufolge vor allem etablierte Online-Anbieter von der Verlagerung der Einkäufe ins Internet.

Auch der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist überzeugt: «Der E-Commerce-Boom ist nicht beendet. In der Pandemie hätten viele Menschen die Vorteile des E-Commerce kennengelernt. «Der Onlinehandel hat sich hier völlig neue Kundengruppen erschlossen – auch unter den älteren Verbrauchern. Das ist die Basis für weiteres Wachstum auch in den nächsten Jahren.»

Gerade in Warengruppen, bei denen bislang der Onlinehandel keine große Rolle gespielt habe, vom Möbelhandel bis zu den Konsumgütern steige die Nachfrage besonders stark. «Hier gibt es noch gigantische Wachstumsspielräume», meinte Heinemann. Über dem stationären Handel schwebe dagegen noch immer das Damokles-Schwert einer vierten Pandemiewelle und erneuter Einschränkungen für Geschäfte.